Eine 3-gegen-1-Situation in einer Mediation ist anspruchsvoll, weil das Machtungleichgewicht für die eine Person sehr belastend sein kann – und weil schnell der Eindruck entsteht: „Die sind gegen mich.“ Hier kommt es ganz stark auf deine allparteiliche Haltung und dein strukturiertes Vorgehen an.
Hier ein paar konkrete Ideen aus Sicht der SocialMediator-Ausbildung:
1. Früh erkennen und benennen
Wenn du merkst, dass eine Partei isoliert wird oder sich zurückzieht, sprich das achtsam und beobachtend an:
„Mir fällt auf, dass X bisher deutlich weniger Raum bekommen hat. Ich möchte gern sicherstellen, dass alle Stimmen hier gehört werden.“
2. Allparteilichkeit betonen – strukturell wie sprachlich
Gib Redezeit strukturiert, z. B. im Rundgespräch.
Du bist nicht allparteilich – und somit aktiv bemüht, Verbindung zu allen herzustellen.
Verwende GFK-Techniken wie empathisches Spiegeln, z. B.:
„Wenn ich dich richtig verstehe, X, dann fühlst du dich gerade unter Druck – weil dir Gesehenwerden und Fairness wichtig sind?“
3. Einzelgespräch oder 2-Phasen-Modell prüfen
Wenn das Ungleichgewicht zu stark ist, kann eine Zwischenphase mit Einzelgesprächen helfen. In der SocialMediator-Ausbildung nutzen wir dann z. B.:
Empathisches Klären von Gefühlen und Bedürfnissen
Reflexion über dominante Kommunikationsmuster in der Gruppe
Danach kannst du die gemeinsame Phase neu strukturieren.
4. Die Gruppe für Verantwortung sensibilisieren
Manchmal hilft es, die „Mehrheitsseite“ mit einer zirkulären oder empathischen Frage anzuregen:
„Was glaubt ihr, wie es sich für X anfühlt, gerade in dieser Runde?“
Das ist keine Konfrontation – sondern ein Impuls zur Perspektivübernahme.
5. Strukturhilfen geben
Nutze Tools wie:
Redekärtchen, mit Bedürfnissen, oder Fragen zur Selbstreflexion
Sanduhr, um eine ausgwogene Redezeit zu vereinbaren
Stuhl für Bedürfnisse: Jede Person spricht aus Sicht der eigenen Bedürfnisse – nicht aus Angriff oder Verteidigung heraus
Visualisierung: Alle Beteiligten notieren ihre Bedürfnisse auf Karten. So entsteht Transparenz jenseits von Machtspielchen.

