🧰 Der Social Mediator Werkzeugkoffer

Mediation ist Klärung.

In einer Mediation braucht es nicht für jede Situation die eine richtige Methode. Viel wichtiger sind eine wertschätzende Haltung, empathisches Zuhören und die passenden Werkzeuge im richtigen Moment. Dieser Werkzeugkoffer bündelt zentrale Methoden und Impulse aus der Social Mediator Ausbildung – als praktische Erinnerung und schnelle Unterstützung für deine Mediationen. Dabei gilt immer: Wir MediatorInnen liefern keine Lösungen. Wir schaffen den Rahmen, in dem die Konfliktparteien einander wieder hören, ihre Bedürfnisse erkennen und eigene Lösungen entwickeln können.

🤝 Anteile von sich im Anderen erkennen

Gemeinsamkeiten herausfinden – gemeinsame Bedürfnisse entdecken – Teile von sich selbst im anderen erkennen – den anderen wirklich hören – den Menschen hinter dem Verhalten erkennen – Perspektivwechsel ermöglichen – Verletzlichkeit wahrnehmen – das JA hinter dem NEIN entdecken – frühere positive Erfahrungen und Verbindungen aktivieren – Stärken im anderen erkennen – einen kleinen nachvollziehbaren Teil finden – Unterschiede respektieren und Gemeinsamkeiten wertschätzen – Veränderungen im Bild des anderen wahrnehmen – Verbindung statt Trennung fördern – eine Basis für Kooperation schaffen.


🧭 Haltung, Menschenbild & Rolle des Mediators

Allparteilichkeit – Neutralität/Unabhängigkeit – Wertschätzung – Empathie – Ergebnisoffenheit – Freiwilligkeit – Eigenverantwortung – Selbstwirksamkeit – positive Naivität/Nichtwissen – Lösungslosigkeit – nicht bewerten – nicht verurteilen – Mensch und Handlung trennen – verstehen ohne einverstanden sein zu müssen – Konfliktparteien als Experten ihres Konflikts betrachten – Grundannahmen des Social Mediator Menschenbildes.


👤 Aufgaben des Mediators – und was nicht

Gesprächsrahmen schaffen – Prozess strukturieren – Gesprächsregeln im Blick behalten – Bereitschaft zur Mediation klären – Eskalationen unterbrechen – Gesprächsfähigkeit fördern – empathisch begleiten – gegenseitiges Hören ermöglichen – Perspektivwechsel fördern – Eigenverantwortung stärken – Konfliktparteien eigene Lösungen entwickeln lassen – nicht: Schuldige suchen – Recht oder Unrecht feststellen – bewerten – Partei ergreifen – diagnostizieren – überzeugen – überreden – eigene Lösungen vorgeben – Ratschläge erteilen – Einigung erzwingen – fremde Aufträge ungeprüft annehmen – ohne Bereitschaft der Konfliktparteien mit einer Mediation beginnen.


❤️ Bedürfnisse, Gefühle & Strategien

Gefühle als Hinweise auf erfüllte bzw. unerfüllte Bedürfnisse – angenehme und unangenehme Gefühle – Pseudogefühle erkennen – Verantwortung für eigene Gefühle – Bedürfnisse erkennen und benennen – Bedürfnisse sind positiv und unabhängig von konkreter Person, Handlung, Ort und Zeit – Bedürfnis und Strategie unterscheiden – Lösungen als Strategien verstehen – Konflikte auf der Strategieebene – hinter Positionen und Forderungen nach Bedürfnissen forschen – hinter einem NEIN nach dem dahinterliegenden JA bzw. Bedürfnis suchen – Gefühls- und Bedürfniswortschatz nutzen.


👂 Empathisches Zuhören & Spiegeln

Präsent zuhören – ausreden lassen – Gefühle und Bedürfnisse hören – empathische Vermutungen anbieten – Gefühl und Bedürfnis miteinander verbinden – paraphrasieren – zusammenfassen – Kontaktbitten einsetzen – überprüfen, was beim Gegenüber angekommen ist – Konfliktparteien einander hören lassen – aufeinander wirken lassen – Schweigen und Pausen aushalten – nicht argumentieren – nicht korrigieren – nicht verteidigen – nicht vorschnell trösten oder Ratschläge geben.


❓ Fragewerkzeuge für die Mediation

Einstiegsfragen – Coping-Fragen – Ressourcenfragen – Wunderfrage – Skalierungsfragen – positive Ausnahmefragen – hypothetische Fragen – zirkuläre Fragen – paradoxe/provozierende Fragen mit Bedacht – Fragen nach Gefühlen und Bedürfnissen – Kontaktfragen – Warum-Fragen auf Beziehungsebene möglichst vermeiden – verneinende Aussagen in gewünschte Zustände umdrehen – Fragen als Einladung statt Verhör einsetzen.


🔄 Perspektivwechsel, Reframing & Ressourcen

Sichtweise des Gegenübers wahrnehmbar machen – Außenperspektive ermöglichen – zirkulären Perspektivwechsel nutzen – „Was hast du gerade gehört?“ – „Was könnte deinem Gegenüber wichtig sein?“ – vermeintlich negative Eigenschaften durch Reframing aus einer anderen Perspektive betrachten – Fähigkeiten und Stärken entdecken – vorhandene Ressourcen aktivieren – positive Ausnahmen suchen – vom Mangel in die Kraft kommen – Selbstwirksamkeit fördern.


🧯 Deeskalation & Umgang mit schwierigen Situationen

Gespräch verlangsamen – strukturieren – gegenseitige Angriffe und Unterbrechungen begrenzen – Gespräch bei Bedarf wieder über den Mediator führen – Vorwürfe und Bewertungen in Gefühle und Bedürfnisse übersetzen – wertfreie Beobachtung herstellen – trennende Kommunikation erkennen – Pausen ermöglichen – schweigen – paraphrasieren – Kontaktbitten einsetzen – Auftrag erneut überprüfen – festgefahrene Strategien auf Bedürfnisse zurückführen – zu frühe Lösungssuche stoppen – erst Verbindung, dann Lösung.


🗺️ Die 5 Phasen der Mediation

Einleitung: Begrüßung – Vertraulichkeit – Rolle – Regeln – Einverständnis – Zeitrahmen – Auftrag: Überblick gewinnen – Konfliktthemen erfassen – Auftrag formulieren und notieren – Konflikterhellung: Gefühle und Bedürfnisse – empathisches Zuhören – Perspektivwechsel – Transformation – gegenseitiges Hören – Kreative Lösungen: Konfliktparteien entwickeln eigene Strategien und Lösungen – Brainstorming – Kreativphase – Abschluss: Tragfähigkeit prüfen – Vereinbarungen konkretisieren – Plan B – SMART – Abschluss und Erfolge würdigen.


🎯 Lösungen, Vereinbarungen & SMART-Check

Lösungen erst nach ausreichender Konflikterhellung – Konfliktparteien entwickeln Lösungen selbst – Lösungen als Strategien zur Bedürfniserfüllung verstehen – mehrere Strategien ermöglichen – Brainstorming ohne vorschnelle Bewertung – Bedürfnisse beider Seiten berücksichtigen – Tragfähigkeit prüfen – Vereinbarungen konkret formulieren – SMART überprüfen – spezifisch – messbar – attraktiv/akzeptiert – realistisch – terminiert – klären: Wer macht was, wann und wie? – Plan B: Was geschieht, wenn die Vereinbarung nicht funktioniert?


🧰 Mediator-Check & Notfallkoffer

Bin ich noch allparteilich? – Bin ich interessiert, oder glaube ich bereits zu wissen, was richtig wäre? – Bewerte ich? – Habe ich eine eigene Lösung im Kopf? – Will ich jemanden überzeugen? – Arbeite ich mehr als die Konfliktparteien? – Höre ich ein Bedürfnis oder eine Strategie? – Springe ich zu früh zur Lösung? – Haben die Konfliktparteien einander wirklich gehört? – Kommt der Perspektivwechsel zu früh? – Braucht es eine Frage oder eher Stille? – bei Stillstand: langsamer werden – zusammenfassen – Beobachtung konkretisieren – Gefühl und Bedürfnis vermuten – schweigen – Perspektivwechsel – Skalierung – Ressourcen oder positive Ausnahmen aktivieren – Strategie auf Bedürfnis zurückführen – Pause machen – Auftrag überprüfen.