Verantwortung in der Lösungsfindung – warum der Abschluss einer Mediation Feingefühl braucht
Eines der höchsten Güter der Mediation ist, dass Lösungen von den Konfliktparteien selbst erarbeitet werden. Nur dann ist die Chance auf eine nachhaltige Win-Win-Lösung gegeben. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich Mediator*innen entspannt zurücklehnen können, sobald die Parteien eine Einigung gefunden haben.
Verantwortung als SocialMediator*in
Gerade als SocialMediator*innen tragen wir Verantwortung dafür, die Qualität der gefundene Lösung im Blick zu behalten – ohne dabei eigene Vorschläge zu machen oder den Prozess zu dominieren.
Denn es kommt durchaus vor, dass sich eine Konfliktpartei zu dem hinreißen lässt, was ich gern als „Schmolllösung“ bezeichne – oder sogar zu einer klassischen Lose-Win-Situation. Gründe dafür können vielfältig sein: Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, ein Machtgefälle oder der schlichte Wunsch, „einfach nur fertig zu werden“.
Achtung, auch wir sind nicht frei davon!
Genau hier ist auch unsere Selbstwahrnehmung gefragt. Vielleicht sind wir selbst nach einer intensiven Mediation müde, wünschen uns den Abschluss, freuen uns auf die letzte Phase… Und trotzdem: Jetzt ist Achtsamkeit gefragt. Wir dürfen nicht vorschnell „durchwinken“, was sich vordergründig wie eine Lösung anfühlt, aber bei genauerem Hinsehen nicht für beide Seiten tragfähig ist.
Denn was wir vermeiden wollen, ist der berüchtigte Mediationskater am nächsten Tag – dieses dumpfe Gefühl bei einer Partei, sich auf etwas eingelassen zu haben, das sich nicht wirklich gut anfühlt.
Die S.M.A.R.T.-Methode als Qualitätssicherung
Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, nutze ich gern die S.M.A.R.T.-Methode. Sie stammt zwar nicht originär aus der Mediation, hat sich aber in Phase 5 unserer strukturierten Social-Mediation nach socialmediator.de als sehr nützlich erwiesen.
Ihr Ziel: Lösungen prüfen, klären, konkretisieren.
Damit sie tragfähig, verbindlich und erfüllend sind – für beide Parteien.
S.M.A.R.T. in der Social Mediation
Hier eine kurze Übersicht, wie die einzelnen Buchstaben in der Mediation verstanden werden können:
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S = Spezifisch
Die Lösung wird so konkret wie möglich formuliert. Vage Formulierungen, offene Hintertürchen oder unklare Begriffe werden gemeinsam geklärt. -
M = Messbar
Gibt es eine Möglichkeit, das Ergebnis oder den Fortschritt zu beobachten oder zu messen? Z. B.: Wie oft? Wie lange? Wie viel? Bis wann? -
A = Attraktiv
Ist die Lösung für beide Parteien wirklich ansprechend? Wenn ich mir nicht sicher bin, frage ich konkret nach:
Was genau macht diese Lösung für dich attraktiv? -
R = Realistisch
Können die getroffenen Vereinbarungen im Alltag wirklich umgesetzt werden? Hier geht es um praktische Machbarkeit, nicht um Idealvorstellungen. -
T = Terminiert
Eine gute Vereinbarung enthält konkrete Zeitangaben: Datum, Uhrzeit, Ort. Das schafft Verbindlichkeit.
Anwendung in der Praxis
Die S.M.A.R.T.-Methode kann auf unterschiedliche Weise integriert werden:
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als strukturierter Check am Flipchart
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schriftlich mit den Parteien
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im Interviewstil, bei dem ich beide Parteien einzeln befrage
Die Ergebnisse fließen dann in die schriftliche Mediationsvereinbarung ein.
Fazit
Die Verantwortung, nicht nur irgendeine Lösung, sondern eine tragfähige Win-Win-Lösung zu begleiten, liegt mit in unserer Hand. Die S.M.A.R.T.-Methode ist dabei ein hilfreiches Werkzeug – nicht als Kontrolle, sondern als Wertschätzung gegenüber den Konfliktparteien und deren Weg zur eigenen Lösung.
Denn was wir wollen, ist kein „Endlich vorbei“, sondern ein echtes:
„Ja, das fühlt sich gut an!“

